Im Göttinger Leinetalgraben treffen quartäre Talfüllungen mit teils über 20 Metern Mächtigkeit auf die Festgesteinsrücken des Muschelkalks. Diese geologische Zweiteilung ist für jeden Tiefbau entscheidend: Während die tonig-schluffigen Auelehme oberflächennah oft stark setzungsempfindlich sind, führen die darunterliegenden Kalksteinbänke Karsthohlräume, die mit herkömmlichen Bohrungen nur schwer zu detektieren sind. Für die Baugrunderkundung setzen wir deshalb auf die Vertikale Elektrische Sondierung (VES), die mit Widerstandskontrasten arbeitet und verdeckte Strukturen zuverlässig abbildet. Gerade im Stadtgebiet um die Innenstadt und in den Hanglagen des Hainbergs liefert das Verfahren belastbare Daten, wo CPT-Sondierungen mechanisch an Grenzen stoßen. Die Kombination mit einer Korngrößenanalyse an ausgewählten Aufschlusspunkten ergibt ein vollständiges Baugrundmodell für Göttingen.
Die VES-Auswertung in Göttingen trennt quartäre Lockersedimente von Muschelkalk bei Widerstandskontrasten von 1:25 und detektiert Subrosionssenken, die im Bohrprofil unsichtbar bleiben.
Arbeitsumfang in Gottingen

Demonstration video
Risiken und Überlegungen in Gottingen
In Göttingen übersehen wir bei Baugrundgutachten immer wieder die sogenannten 'Göttinger Subrosionssenken': lokale Absenkungen im Muschelkalk, verursacht durch Gipsauslaugung im Mittleren Muschelkalk. Diese Strukturen sind tückisch, weil sie an der Geländeoberfläche kaum erkennbar sind und mit Sondierbohrungen leicht verfehlt werden. Eine Rammkernsondierung durchteuft die Senke vielleicht auf zwei Meter, aber die zehn Meter daneben liegende Karstspalte bleibt unentdeckt. Die VES-Sondierung schließt diese Lücke: Der markante Widerstandsabfall von über 500 Ωm auf unter 100 Ωm zeigt den Übergang zum tonig verfüllten Hohlraum auf ganzer Profilstrecke an. Wer in Göttingen auf diese geophysikalische Vorerkundung verzichtet, riskiert unkalkulierbare Setzungsdifferenzen und im schlimmsten Fall Tagesbrüche während der Bauphase. Ein zweiter kritischer Punkt ist die anthropogene Überprägung im Stadtgebiet: alte verfüllte Kiesgruben und Bahndämme aus der Gründerzeit erzeugen Widerstandsanomalien, die ohne Kenntnis der Stadtgeschichte fehlinterpretiert werden. Unser Team gleicht die VES-Daten daher systematisch mit historischen Karten des Göttinger Stadtarchivs ab.
Unsere Leistungen
Die VES-Messung in Göttingen wird durch ergänzende geotechnische Feld- und Laborversuche zu einem vollständigen Baugrundmodell verdichtet. Je nach Fragestellung kombinieren wir die Geoelektrik mit folgenden Leistungen:
Geophysikalische Vorerkundung mit VES
Vertikale elektrische Sondierung mit 4-Punkt-Anordnung nach Schlumberger. Ausgabe als Widerstands-Tiefenprofil und Farbschnitt, kalibriert an regionalen Bohrprofilen aus dem Geologischen Dienst Niedersachsen.
Baugrundmodell und Homogenbereiche
Überführung der VES-Widerstandswerte in Homogenbereiche nach VOB/C und DIN 18300. Abgrenzung von Auelehm, quartärem Kies und Festgestein. Ableitung von Bodenklassen und Lösbarkeit.
Karst- und Hohlraumdetektion
Spezielle VES-Auswerteroutine für Subrosionsstrukturen im Göttinger Muschelkalk. Kombination mit historischer Kartenauswertung zur Abgrenzung natürlicher Hohlräume von anthropogenen Auffüllungen.
Fragen und Antworten
Welche Tiefe erreicht eine VES-Messung in den Göttinger Talauen?
Bei maximalem Elektrodenabstand AB/2 von 150 Metern erreichen wir im Leinetalgraben Erkundungstiefen von 80 bis 100 Metern. Die tatsächliche Eindringtiefe hängt vom spezifischen Widerstand der oberflächennahen Schichten ab: Die leitfähigen Auelehme dämpfen das Signal, sodass wir in der Innenstadt mit etwa 70 Meter rechnen, während am Rand des Göttinger Waldes bei geringerer Tonüberdeckung die vollen 100 Meter möglich sind.
Was kostet eine VES-Sondierung in Göttingen?
Für eine Standard-VES mit 20 Messpunkten pro Dekade und Auswertung als 1D-Widerstandsprofil liegen die Kosten zwischen 580 und 910 Euro, abhängig von der erforderlichen Auslagelänge und der Zugänglichkeit des Geländes. Bei mehreren Sondierungen entlang eines Profils oder Kombination mit einer 2D-Tomografie erstellen wir ein individuelles Angebot.
Kann die VES Karsthohlräume im Göttinger Muschelkalk sicher nachweisen?
Die VES detektiert Hohlräume indirekt über den Widerstandskontrast zwischen intaktem Kalkstein und der tonig-lehmigen Hohlraumfüllung. Ein luftgefüllter Hohlraum zeigt theoretisch unendlichen Widerstand, praktisch messen wir den Übergang zum umgebenden Gestein. Die Sicherheit des Nachweises steigt, wenn wir die VES-Daten mit einem Seismischen Refraktionsprofil kreuzen – dann lassen sich Auflockerungszonen von echten Hohlräumen unterscheiden.