Gottingen
Gottingen, Germany

Felddurchlässigkeitsversuch nach Lefranc und Lugeon in Göttingen

Die Universitätsstadt Göttingen wächst nicht nur in der Fläche, sondern punktuell in die Tiefe – Labore, Forschungsbauten und innerstädtische Nachverdichtung drängen in Untergeschosse, die oft bis in den grundwasserführenden Leine-Kies hinabreichen. Viele Planer kennen den geologischen Knackpunkt: Unter einer geringmächtigen Lösslehmdecke stehen pleistozäne Kiessande und Sandsteine des Mittleren Buntsandsteins an, deren Klüftigkeit und Durchlässigkeit auf kurzer Distanz stark schwanken. Der Felddurchlässigkeitsversuch am Bohrloch – sei es als Lefranc-Test im Lockergestein oder als Lugeon-Test im klüftigen Fels – liefert hier die einzige direkte kf-Bestimmung, die den natürlichen Kornverband und das reale Kluftnetz erfasst. Ohne diese In-situ-Messung bleibt jede Versickerungsbemessung und jede Wasserhaltungsplanung in Göttingen ein Stochern im Nebel.

Ein einzelner Lugeon-Versuch im klüftigen Göttinger Buntsandstein ersetzt dutzende Laborproben, die das Kluftnetz ohnehin nicht abbilden.

Arbeitsumfang in Gottingen

Wir arbeiten mit einer hydraulischen Doppelpacker-Einheit, die über einen federgestützten Druckregler konstanten Prüfdruck im Testintervall hält – kein Pendeln zwischen Handpumpe und Manometer wie bei einfachen Gestängen. Das Packergestänge schieben wir direkt durch die Schutzverrohrung der Kernbohrung, sodass die Messstrecke exakt dem entnommenen Bohrkern zugeordnet werden kann. In Göttinger Sandsteinschichten mit Wechsellagerung fahren wir meist 5 Druckstufen nach Houlsby an, um turbulente Strömung und Kluftaufweitung sauber zu trennen. Die Wasserzugabe läuft über einen magnetisch-induktiven Durchflussmesser mit Datalogger, der jeden Liter auf 50 ml genau erfasst und direkt aufs Tablet schreibt. So entsteht ein lückenloser Prüfbericht, den unser Labor mit den Ergebnissen der Korngrößenanalyse zu einem konsistenten Baugrundmodell zusammenführt.
Felddurchlässigkeitsversuch nach Lefranc und Lugeon in Göttingen
Felddurchlässigkeitsversuch nach Lefranc und Lugeon in Göttingen
ParameterTypischer Wert
PrüfnormDIN EN ISO 22282-2 (Lefranc) / DIN EN ISO 22282-3 (Lugeon)
Gesteinstyp GöttingenLockergestein (Auelehm, Leine-Kies) / Festgestein (Buntsandstein)
TestintervallMeist 50–100 cm, im geklüfteten Fels bis 200 cm
Druckstufen Lugeon5 Stufen (1–2–5–2–1 bar, angepasst an Tiefe/GW)
DurchflussmessungMID-Durchflussmesser, Auflösung 0,05 Liter
DatenaufzeichnungDigitaler Datalogger mit Tablet-Visualisierung
Ergebnisgrößekf-Wert [m/s], Lugeon-Unit [Lu], Transmissivität [m²/s]

Risiken und Überlegungen in Gottingen

Der Leine-Kies in der Göttinger Talaue kann kf-Werte zwischen 1·10⁻³ und 5·10⁻² m/s aufweisen – das ist hochdurchlässig und treibt jede offene Wasserhaltung an ihre wirtschaftliche Grenze. Im Buntsandstein dagegen bestimmt nicht die Matrix, sondern die Klüftigkeit die Durchlässigkeit: Eine einzige offene Schichtfuge kann den kf-Wert lokal um drei Zehnerpotenzen erhöhen. Wer hier nur mit Laborwerten aus ungestörten Proben rechnet, dimensioniert Entwässerung und Verbau auf wackligen Annahmen. Das zweite Göttinger Problem sind die Altlastenverdachtsflächen entlang der ehemaligen Bahn- und Industrieareale im Leinetal – hier muss die Durchlässigkeit nicht nur für die Bemessung, sondern auch für die Gefährdungsabschätzung nach BBodSchV belastbar ermittelt werden. Ein verpasster hydraulischer Test bedeutet in Göttingen oft: Wasser in der Baugrube, das niemand auf der Rechnung hatte, und Nachforderungen am Pumpwerk, die den Tiefbaubudgetrahmen sprengen.

Benötigen Sie eine geotechnische Bewertung?

Antwort innerhalb von 24h.

Anwendbare Normen: DIN EN ISO 22282-2:2012 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Geohydraulische Versuche – Teil 2: Wasserabpressversuch im Bohrloch (Lefranc), DIN EN ISO 22282-3:2012 – Geohydraulische Versuche – Teil 3: Wasserdruckversuch im Fels (Lugeon), DIN 4020 – Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke, DWA-A 138 – Planung, Bau und Betrieb von Versickerungsanlagen, BBodSchV – Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (Gefährdungsabschätzung)

Unsere Leistungen

Unser Prüfspektrum deckt die gesamte hydraulische Baugrunderkundung ab – vom oberflächennahen Sickertest bis zum tiefen Gebirgsversuch unter artesischem Druck.

Lefranc-Versuch (Lockergestein)

Wasserabpressversuch mit konstanter oder fallender Druckhöhe in Kiesen, Sanden und Schluffen. Geeignet für Versickerungsgutachten nach DWA-A 138 und Wasserhaltungsplanung in Göttinger Tiefbaugruben.

Lugeon-Versuch (Festgestein)

Mehrstufiger Wasserdruckversuch im geklüfteten Buntsandstein. Fünf Druckstufen mit exakter Trennung von laminarer und turbulenter Strömung. Standard für Tunnel- und Felsbaugrunduntersuchung.

Kombinierte Bohrlochgeophysik

Kaliberlog, Flowmeter und optische Bohrlochsonde zur Lokalisierung der exakten Wasserwegigkeiten. Parallel zum Lugeon-Test für die punktgenaue Injektionsplanung im Karst- und Kluftgrundwasserleiter.

Auswertung & Baugrundmodell

Zusammenführung der In-situ-kf-Werte mit Labordaten aus Sieblinie und Durchlässigkeitsversuch im Triaxialgerät zu einem konsistenten hydrogeologischen Modell nach DIN 4020.

Fragen und Antworten

Wann brauche ich einen Lugeon-Test statt eines einfachen Lefranc-Versuchs?

Sobald die Bohrung im Göttinger Buntsandstein oder im angewitterten Muschelkalk steht und Klüfte oder Schichtfugen das Strömungsbild prägen. Der Lugeon-Test arbeitet mit einem Doppelpacker und mehreren Druckstufen, sodass wir Kluftaufweitung und turbulente Strömung erkennen können. Ein reiner Lefranc-Versuch im offenen Bohrloch würde diese Effekte verschmieren und zu falschen kf-Werten führen.

Mit welchen Kosten muss ich für einen Felddurchlässigkeitsversuch rechnen?

Ein einzelner Lefranc- oder Lugeon-Versuch liegt je nach Tiefe, Gesteinsart und Prüfdauer zwischen 560 und 1020 Euro. Darin enthalten sind Packerfahrt, Durchführung nach DIN EN ISO 22282, digitales Messprotokoll und die ingenieurtechnische Auswertung mit Bestimmung des kf-Werts. Bei mehreren Testintervallen in einer Bohrung reduzieren sich die Kosten pro Test durch geringere Rüstzeit.

Welche kf-Werte sind typisch für den Leine-Kies in Göttingen?

Der pleistozäne Leine-Kies zeigt je nach Feinanteil und Verdichtung kf-Werte zwischen 1·10⁻³ und 5·10⁻² m/s. In der Innenstadt, wo die Kiese durch jahrhundertelange Bebauung oft nachverdichtet sind, liegen die Werte tendenziell am unteren Rand dieser Spanne. In den Randbereichen Richtung Rosdorf und Grone haben wir dagegen schon Spitzenwerte über 1·10⁻² m/s gemessen.

Wie lange dauert ein Felddurchlässigkeitsversuch?

Ein Lugeon-Test mit fünf Druckstufen dauert pro Intervall etwa 45 bis 60 Minuten, einschließlich Packer setzen, Sättigung und Stufenfahrt. Ein Lefranc-Versuch im Lockergestein ist mit 20 bis 30 Minuten schneller. Bei mehreren Intervallen in einer Bohrung addieren sich die Zeiten, wir schaffen an einem Tag je nach Tiefe und Gestein drei bis sechs Tests.

Abdeckung in Gottingen