Ein Forschungsneubau am Nordcampus, unweit des Max-Planck-Instituts: Der Baugrund besteht hier aus einer Wechsellagerung von Lösslehm über Röt-Tonen. Die ersten Rammkernsondierungen zeigen einen deutlichen Steifigkeitssprung auf 8 m Tiefe. Für die Baudynamik bedeutet das: Die seismische Bodenantwort lässt sich nicht aus regionalen Karten ableiten. CPT-Versuche liefern ein hochaufgelöstes Scherwellenprofil, während die seismische Refraktion die Geometrie der steifen Schicht im Großraum abbildet. Beide Verfahren kombiniert ergeben die Eingangsdaten für eine standortspezifische Mikrozonierung. In Göttingen, mit seiner Lage am Rand des Leinegrabens, sind flachgründige Scherwellenreflektoren entscheidend für das Verstärkungsspektrum.
Zwei Bohrprofile in Göttingen, 500 m auseinander, können völlig unterschiedliche Verstärkungsfunktionen liefern – der Leinegraben macht jede Baugrube zum Einzelfall.
Arbeitsumfang in Gottingen

Risiken und Überlegungen in Gottingen
Die Messkette beginnt mit einem dreiachsialen Geophon im Bohrloch, das in 1-m-Schritten abgeteuft wird. Ein Hammerschlag an der Oberfläche erzeugt die Scherwelle; die Laufzeitdifferenz zwischen zwei Tiefen gibt die Interval-Geschwindigkeit. In den weichen Auelehmen der Leineaue beißt der seismische Kontrast besonders scharf – hier sitzt der Verstärkungshorizont oft schon auf 15 m. Ein Gebäude, dessen Eigenperiode in diesen Bereich fällt, erfährt eine spektrale Überhöhung, die ohne Mikrozonierung in der Bemessung unterschätzt würde. Das Labor in Göttingen kalibriert jedes Bohrlochgeophon vor der Messung gegen einen Referenzbeschleunigungsaufnehmer. Für die Übertragung in die Strukturanalyse ergänzen wir oft die Baugrunduntersuchung für Fundamente, weil die Impedanz zwischen Boden und Fundamentplatte den tatsächlichen Energieeintrag steuert.
Unsere Leistungen
Unser Leistungsspektrum für die seismische Standortcharakterisierung in Göttingen umfasst die Feldmessung, die Laboranalyse und die numerische Auswertung:
Downhole- und Crosshole-Seismik
Direkte Messung der Scherwellengeschwindigkeit im Bohrloch. Auswertung der Laufzeitkurven nach dem Intercept-Time-Verfahren.
HVSR-Mikrotremoranalyse
Passive Aufzeichnung der Bodenunruhe mit Dreikomponenten-Seismometer zur Bestimmung der horizontal-zu-vertikal Spektralratio.
1D-Site-Response-Modellierung
Nichtlineare Wellenausbreitung im Frequenzbereich, Eingabe der G/Gmax- und Dämpfungskurven aus Laborversuchen.
Fragen und Antworten
Wann ist in Göttingen eine seismische Mikrozonierung vorgeschrieben?
Immer dann, wenn das Bauwerk nach DIN EN 1998-1 in eine Erdbebenzone fällt und die Baugrundklasse wechselhaft ist. In Göttingen betrifft das besonders Standorte im Leinetal mit mächtigen quartären Sedimenten. Die Bauaufsicht fordert dann einen standortspezifischen Nachweis des Verstärkungsspektrums.
Mit welchen Kosten muss ich für eine Mikrozonierung rechnen?
Je nach erforderlicher Bohrtiefe, Anzahl der Messprofile und Laborumfang liegt das Budget zwischen €4.360 und €13.500. Eine Kombination aus Downhole-Seismik und HVSR-Messung ist oft ausreichend und liegt im unteren Bereich.
Welche Bodenkennwerte benötigen Sie vom Baugrundgutachter?
Wir benötigen das Schichtenverzeichnis mit Lagerungsdichte und Konsistenz, die Grundwasserstände sowie – falls vorhanden – die Korngrößenverteilung und Plastizitätszahl. Diese steuern die Auswahl der passenden G-Modul-Abbaukurven für die nichtlineare Analyse.