Die DIN 18122 in Verbindung mit DIN EN ISO 17892-12 regelt die Bestimmung der Atterberg-Grenzen – ein Verfahren, das in Göttingen mit seinen ausgedehnten Lösslehm- und Auelehmdecken systematisch zur Anwendung kommt. Das Stadtgebiet liegt im Leinegraben, wo holozäne Ton- und Schluffschichten Mächtigkeiten von 6 bis 15 m erreichen. Wer hier ein Bauvorhaben plant, etwa im Bereich Weende oder Geismar, braucht verlässliche Kennwerte zur Plastizität des Bodens. Unser Labor führt die Fließgrenze nach Casagrande und die Ausrollgrenze normkonform durch und liefert Ihnen das Ergebnis in der Regel innerhalb von drei Werktagen. Bei bindigen Böden entscheidet die Plastizitätszahl I_P über Einstufung, Verdichtbarkeit und Frostempfindlichkeit – Parameter, die später direkt in die Bemessung von Bodenplatten und Fundamenten einfließen.
Die Plastizitätszahl I_P ist kein abstrakter Laborwert – sie bestimmt, ob ein bindiger Boden in Göttingen als frostsicher eingestuft werden kann oder zusätzliche Maßnahmen im Erdbau erfordert.
Arbeitsumfang in Gottingen
Kenngrößen auf einen Blick:
Fließgrenze w_L: Wassergehalt am Übergang von breiiger zu flüssiger Konsistenz
Ausrollgrenze w_P: Wassergehalt, bei dem eine 3-mm-Rolle zu bröckeln beginnt
Plastizitätszahl I_P = w_L − w_P: Maß für den plastischen Bereich
Konsistenzzahl I_C = (w_L − w) / I_P: Beschreibt die aktuelle Zustandsform

Risiken und Überlegungen in Gottingen
Der Ausbau Göttingens nach 1945 – erst entlang der Groner Landstraße, später in den Hangbereichen des Göttinger Walds – hat heterogene Auffüllungen hinterlassen, die bis heute geotechnisch relevant sind. In den Nachkriegsvierteln trifft man unter 0,8 m Mutterboden oft auf umgelagerten Tonmerged, der bei Wassergehaltsänderung zwischen halbfest und weich pendelt. Wird die Atterberg-Prüfung bei solchen Böden ausgelassen, fehlt die Basis für die Konsistenzzahl I_C und damit für die Einschätzung der Tragfähigkeit. Die DIN 4020 fordert bei bindigen Böden zwingend die Angabe der Zustandsgrenzen im Baugrundgutachten. Ohne diese Werte ist eine Bemessung von Stützmauern oder Böschungen am Hangfuß des Leinetals mit unzulässigen Annahmen behaftet. Auch die Beurteilung der Frostempfindlichkeitsklasse nach ZTV E-StB hängt direkt von w_L und I_P ab.
Unsere Leistungen
Die Atterberg-Grenzen sind Teil eines abgestimmten Prüfprogramms. Je nach Fragestellung kombinieren wir sie mit folgenden Labor- und Feldversuchen:
Fließ- und Ausrollgrenze nach DIN
Durchführung mit Fallkegelgerät und manueller Ausrollprobe, inklusive Wassergehaltsbestimmung durch Ofentrocknung. Bericht mit Plastizitätsdiagramm und Klassifikation nach DIN 18196.
Korngrößenverteilung kombiniert
Nass- und Trockensiebung plus Sedimentationsanalyse nach DIN EN ISO 17892-4. Liefert den Feinanteil d < 0,063 mm als Ergänzung zur Plastizität.
Wassergehalt und Konsistenz
Bestimmung des natürlichen Wassergehalts w_n unmittelbar nach Probenahme. Daraus Ableitung der Konsistenzzahl I_C und der Zustandsform (halbfest, steif, weich, breiig).
Frostempfindlichkeitsklasse
Einstufung in F1, F2 oder F3 auf Basis von w_L und I_P nach ZTV E-StB. Notwendig für Erdbau und Frostschutzschichten im Straßenbau.
Fragen und Antworten
Was kosten Atterberg-Grenzen im Labor in Göttingen?
Die Bestimmung von Fließ- und Ausrollgrenze liegt bei €60 bis €90 pro Probe, abhängig vom organischen Anteil und ob eine zusätzliche Nasssiebung nötig wird. Bei mehr als fünf Proben bieten wir günstigere Staffelpreise an.
Wie lange dauert die Prüfung?
Vom Probeneingang bis zum Bericht rechnen Sie mit drei Werktagen. Falls Eilbedarf besteht, ist eine Bearbeitung innerhalb von 24 Stunden möglich – sprechen Sie uns einfach an.
Welche Probe brauchen Sie für Atterberg-Grenzen?
Wir benötigen etwa 200 g ungestörten oder gestörten Feinteil < 0,4 mm. Die Probe muss luftdicht verpackt sein, damit der natürliche Wassergehalt erhalten bleibt. Bei organischen Böden bitte zusätzlich 100 g für die Glühverlustbestimmung.
Reicht die Fingerprobe für die Klassifikation?
Nein. Die Fingerprobe liefert nur eine grobe Schätzung der Plastizität, aber keine belastbaren Zahlen für das Baugrundgutachten. Die DIN 4020 verlangt die quantitativen Atterberg-Grenzen, sobald die Tragfähigkeit oder Frostempfindlichkeit bindiger Böden zu bewerten ist.